HIDDEN ASSETSInstallation, Franticek Klossner, 2011 Selbstportraits in Eis (1991-2011), begehbarer Tiefkühlraum, 240 x 240 x 225cm
Kunsthalle Osnabrück in Kooperation mit Reinkingprojekte Hamburg KunstKörperlich KörperKünstlich III, BODIES Kuratoren: André Lindhorst, Christel Schulte, Rik Reinking Vanessa Beecroft, Baldur Burwitz, Gildas Coudrais, Wim Delvoye, Birgit Dieker, Brad Downey, Gregor Gaida, Till F. E. Haupt, Damien Hirst, Franticek Klossner, Sherrie Levine, Max Mohr, Wolfgang Petrick, Marc Quinn, Daniel Spoerri, Haim Steinbach, Yukiko Terada, Nikola Torke, Andy Warhol, Erwin Wurm, u.a.
Presse:OSradio, Interview Silke Grob: "Die stillen Reserven des Franticek Klossner" YONHAP NEWS: Germany Arts, Kunsthalle Osnabrück, Hidden Assets KUNST AM EIGENEN LEIBMechthild Zawadynski, Kulturwissenschaftlerin (Katalogtext zum Werk von Franticek Klossner)
Wie ein mächtiger weisser Sarkophag dominiert Franticek Klossners Tiefkühlzelle den Ausstellungsraum. Nicht nur visuell zieht der weisse Kubus die Aufmerksamkeit auf sich, auch akustisch ist das Surren des Kühlaggregats in der Ausstellung omnipräsent. Im Innern des rätselhaften „White Cube“ erwartet uns eine eisige „Black Box“: Im fahlen Licht einer einzigen Glühlampe lagert der Künstler eine Vielzahl gefrorener Selbstportraits in Eis gegossen von Negativformen aus den Jahren 1991 bis 2011. Die Szenerie, bei einer Temperatur von Minus 20 Grad Celsius, wirkt wie ein klinisches Experiment. Auf Metallregalen sind die halbtransparenten Köpfe des Künstlers frontal aufgereiht. Jedes Portrait ist durch den Gefrierprozess anders ausgeformt. Aufgeborsten, gespalten oder als perfektes Abbild spiegeln die gefrorenen Skulpturen die gesamte Palette von Deformation und Formveränderung. Konfrontiert mit diesen neunzig „gefrorenen Ichs“ denken wir unwillkürlich an Richard David Prechts Bestseller „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“. Klossners eisige Installation besticht durch die raffinierte Dramaturgie und thematisiert in skulptural überzeugender Form kollektive Grundthemen der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Der fragile physikalische Zustand seiner Selbstportraits wird zum Sinnbild menschlicher Konditionen und gesellschaftlicher Interdependenzen. Der Künstler entwirft mit seinen Werken experimentelle Kommunikationsmodelle und gliedert den Prozess der Wahrnehmung in überaus sinnliche Momente. Wir erleben seine Kunst "am eigenen Leib"! Er involviert das Publikum gezielt und macht die Betrachtenden zu Verbündeten. Wer im Tiefkühlraum mit Klossners gefrorenen Abbildern konfrontiert ist, erlebt die Begegnung mit Kunst in einer sehr direkten und einzigartigen Form. Das Werk wird nicht nur visuell und akustisch wahrgenommen, es dringt in uns ein bevor wir es bemerkt haben... Wir atmen das Werk ein und hinterlassen beim Ausatmen, durch unsere erwärmte Atemluft, einen stetig wachsenden Raureif auf den gefrorenen Portraits. Wie ein feiner Pelz legt sich der Atmen des Betrachters über das Werk. Die Erinnerung an dieses äusserst sinnliche Kunsterlebnis bleibt für lange Zeit in den Köpfen des Publikums erhalten. Der performative Kunst-Transfer hat funktioniert: Von den neunzig Köpfen des Künstlers in die Köpfe des Publikums... durch sämtliche Sinne!
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